Linz.Null.Neun
Ein Pinguin auf seiner Scholle
treibt auf der Donau gegen West.
Er strickt dabei mit blauer Wolle
für seinen Nachwuchs flink ein Nest.
Am Ufer joggt mit Vehemenz
ein Siamese gegen Ost.
Er fürchtet keine Konkurrenz
und auch nicht Rost und Frost.
Einander treffen sie in Linz,
der neuen Hauptstadt der Kultur.
So wird aus dieser Welt-Provinz
ein Biotop der Hoch-Natur.
Der Siamese ruft ermattet:
„Linz Null Neun, es lebe hoch!“
Er stirbt! Der Pinguin ist auch verdattert,
denn seine Scholle hat ein Loch.
So endet für die beiden
in dieser letzten Strophe
ihre Begegnung hier in Linz
mit einer veritablen Katastrophe.
Ab.Riss
Der Auktionator hebt den kleinen Hammer,
zum Ersten, Zweiten und zum Dritten.
Der Hausbesitzer fühlt nur Jammer,
hat endlich ausgelitten.
Statt erben …
sterben.
Die Abrissbirne kracht donnernd in die Front,
zum Ersten, Zweiten und zum Dritten.
Wer einstmals hier gewohnt
läg jetzt inmitten
von Staub –
taub.
Die Nachwelt vergießt auch keine Tränen,
zum Ersten, Zweiten und zum Dritten.
Es wird nun ohne sich zu schämen,
zum Neuaufbau geschritten.
Der Architekt:
Perfekt.
Prometheus.Nächte
Die Ungeborgenen tragen die Nachtwelt
in ihren unaufgeschnittenen Bäuchen.
Schlammhaarig, schamgewandet
mit erzbefeuertem Riesenfenchel.
Flammentrunken von den gebürsteten Kämmen.
Lammgeblasener Hochschaukelwahn
ohne vergültigten Fahrthinausweis.
Muster mit Unterwert ausgeschwängelt.
Rettungsgedankt und verzeust
in den Nächten des Prometheus.
Diese drei Gedichte wurden im literarischen Jahrbuch der Stadt Linz „Facetten 2025“ veröffentlicht.
